Vodafone

Störung

Vodafone ist mein Internetanbieter. Davor war es KabelDeutschland, die wurden aber irgendwann durch Vodafone übernommen. Vodafone hat irgendwann einen 200/12 Tarif angeboten, also 200 Mbit/s Download und 12 Mbit/s Upload. Das wollte ich natürlich haben, also kurzerhand meinen Tarif geupgraded (hatte bis dahin 100/10 oder so). Das war vor zwei Jahren (glaube ich). Seitdem plagen mich Probleme mit der Internetgeschwindigkeit, genauer gesagt mit der Downloadgeschwindigkeit. Insbesondere in den Abendstunden ist das Internet häufig nicht für mehr zugebrauchen als E-Mails zu lesen oder Textforen zu durchstöbern. Videostreaming oder sogar Online-Spiele sind undenkbar.

Hier ein Blick auf den Verlauf gemeldeter Störungen betreffend Vodafone Berlin auf allestörungen.de:

Man sieht, wann die Leute schlafen—das ist der Zeitraum, in dem kaum Störungen gemeldet werden. Besonders in den Abendstunden sieht man aber eine Häufung gemeldeter Störungen. Das entspricht auch meinen Erfahrungen.

Messen

Um mal was Handfestes zu haben und eventuell eine Preisminderung bei Vodafone erwirken zu können, habe ich Anfang November angefangen, regelmäßig meine Internetgeschwindigkeit zu messen. Nach Auffassung der Bundesnetzagentur liegt eine nicht vertragskonforme Leistung seitens des Anbieters vor, wenn bei Festnetz-Breitbandanschlüssen (so wie meinem) im Download

  • nicht an mindestens zwei Messtagen jeweils mindestens ein Mal 90% der vertraglich vereinbarten Maximalgeschwindigkeit erreicht wird,
  • die normalerweise zur Verfügung stehende Geschwindigkeit nicht in 90% der Messungen erreicht wird oder
  • die vertraglich vereinbarte Mindestgeschwindigkeit an mindestens zwei Messtagen jeweils unterschritten wird.

Was sind die maximalen, minimalen und normalen Geschwindigkeiten? Die legt Vodafone fest:

Die Hervorhebung ist von mir und markiert die für meinen Tarif zutreffenden Geschwindigkeiten, für den Download also min. 120 Mbit/s, normalerweise 180 Mbit/s und max. 200 Mbit/s.

Zum Nachweis soll man außerdem mindestens 20 Messungen an zwei unterschiedlichen Tagen vornehmen. Ich hab  1.500 mal an 25 Tagen gemessen und dazu die Desktopversion von speedtest.net benutzt. Anfangs manuell und sporadisch, später automatisiert und viertelstündig.

Ergebnis

Dass mindestens eine Messung am Tag mindestens 90% der Maximalgeschwindigkeit (also mindestens 180 Mbit/s) erreicht, kommt eigentlich immer vor. Nur in 33,83% der Messungen wird aber die “normalerweise zur Verfügung stehende Geschwindigkeit” (also ebenfall 180 Mbit/s, s. Tabelle oben) erreicht. Das ist weeeit weg von den geforderten 90%. Und zu guter Letzt,  jeden Tag wurde die vertraglich vereinbarte Minimalgeschwindigkeit von 120 Mbit/s unterschritten. Vodafone erbringt mir gegenüber also gemäß der Anforderungen der Bundesnetzagentur nicht die vertraglich vereinbarte Leistung. Und das obwohl ich noch nichtmal den Zeitraum zwischen 3 Uhr und 11 Uhr rausgerechnet habe, in dem die Messergebnisse in der Regel günstig für Vodafone sind und über den man sagen könnte, dass ich da das Internet eher weniger nutze (weil ich schlafe, plus minus). In den späteren Messungen fehlt der Zeitraum auch, weil ich den Computer nicht mehr über die Nacht angelassen hab.

Visualisierung

Es folgen ein paar Visualisierungen der Messergebnisse.


Schwarz auf weiß: Ein Punkt steht jeweils für eine Messung. Die Messergebnisse aller Tage sind in diesem Plot abgebildet. Die rote Linie gibt die durchschnittliche Downloadgeschwindigkeit der jeweiligen Tageszeit an, gemittelt über alle Messungen, die zu dieser Tageszeit gemacht wurden. Das Phänomen der langsamen Abendstunden bestätigt sich hier deutlich.


Bunter, eine sogenannte Heatmap. An den Farben lässt sich mithilfe der Legende auf der rechten Seite ablesen, zu welcher Uhrzeit und an welchen Tagen die Internetgeschwindigkeit zügig ist und wann sie zu wünschen übrig lässt. Interessant finde ich den deutlichen Einbruch am Mittwochabend. Mein Papa meint, das könnte vielleicht an der Champions League liegen oder so.


Und hier knallhart die Ergebnisse aller bisherigen Messtage. Dazu jeweils die Checkliste, ob die “vertragskonforme Leistung” gegeben ist oder nicht.

Die Rohdaten gibts hier. In den Grafiken habe ich zeitlich nah beieinander liegende Messungen gruppiert und gemittelt. Genauer gesagt habe ich alle Messungen zeitlich auf die nächstliegende Viertelstunde gerundet und dann den Durchschnitt für jede Viertelstunde gebildet. Außerdem enthalten die Rohdaten ein paar Messpunkte, die man aussortieren muss. Bei zwei Messungen war ich mit über WLAN statt Kabel verbunden, und bei einigen Messungen hat sich die Software nicht mit Testservern in Berlin verbunden, sondern mit welchen von anderswo.

Anzumerken ist auch noch, dass ich für die Messungen nicht meine Internetnutzung unterbrochen habe. Es kann und ist also durchaus vorgekommen, dass ich, während die Messung lief, Streams auf Twitch oder Videos auf Youtube geschaut habe. Die Erfahrung hat aber gezeigt, dass selbst ein 1080p oder 720p60fps Twitch Stream nicht zu den Geschwindigkeitseinbußen führen, die ich bei den Messungen regelmäßig verzeichnen konnte.

Q learning

Ein Thema des Machine Intelligence Moduls, das ich in diesem Semester an der TU Berlin belegt habe, war unter anderem reinforcement learning, und in dem Zusammenhang Q learning. Eine Aufgabe bestand darin, einen Agenten das Balancieren eines Stabs mit Gewicht am Ende lernen zu lassen, mit einem ganz einfachen Physikmodell als Grundlage. Habe aus dem Lernprozess mal ein Video gemacht (das echt lang geworden ist). Der Prozess ‘konvergiert’ so bei 535 Episoden, davor wird viel ausprobiert.

Die Pfeile zeigen die Richtung an, in die der Agent Kraft auf den Stab ausübt. Die roten Linien zeigen das Abbruchkriterium an; wenn die überschritten werden, wird der Agent bestraft. Habe leider zu spät bemerkt, dass ich jeweils den ersten Step einer Episode nicht mit drin hab, aber da steht der Stab ohnehin immer aufrecht 🙂

Hier sieht man  den Verlauf, wieviele Steps der Agent in jeder Episode geschafft hat:

Der Durchbruch erfolgt relativ plötzlich am Ende, und ab dann fällt der Stab auch kaum noch um. Und hier sind die Q values nach 550 Episoden:

Die weißen Flächen sind states, die nie auftraten und daher unerkundet geblieben sind. Die Diskretisierung bestand aus 50 states für Position und Geschwindigkeit.

Wall Street Journal vs. Pewdiepie

Ganz merkwürdige Geschichte, die sich da in den vergangenen Tagen abgespielt hat. Ein WSJ Artikel (hinter Paywall), von drei Autoren verfasst, will dem Youtuber Pewdiepie (53 Mio. Abonnenten)  nachweisen, Antisemit zu sein, weil er provokante Witze gemacht hat, die Referenzen zum “dritten Reich” beinhalteten. Einen davon unter anderem in einem Video, in dem er den Medien vorwirft, ihn zum Zwecke ihrer eigenen Agenda zu oft aus dem Kontext gerissen zu zitieren. Das kann man sich wirklich nicht ausdenken, sowas. Jedenfalls wurde Pewdiepie jetzt von Disney rausgeworfen  (bei denen er bislang über das Content Creator Netzwerk Maker Studios unter Vertrag war), so wie ich das verstanden hab. Und Youtube hat hat eine Show gecancelled, die gerade fertig produziert wurde und als nächstes hätte ausgestrahlt werden sollen. Disney und Youtube ist es natürlich überlassen, zu entscheiden, worein sie ihr Geld stecken, aber so ungerechtfertigter Heile-Welt-Reaktionismus, der scheinbar geschieht, ohne sich angemessen mit der Sachlage auseinander gesetzt zu haben, ist mehr als unsouverän, finde ich.
Ich bin jetzt niemand, der sich Pewdiepie Videos ansieht oder Fan ist, halte das aber dennoch für ganz schlechten Stil vom WSJ (und vielen anderen, die auf den Zug aufgesprungen sind). Da muss die Hysterie den “neuen” Medien gegenüber echt groß sein, dass da so Blödsinn bei rauskommt. Fühle mich ein bisschen an die Böhmermann-Erdogan-Story erinnert.

NSA Untersuchungsausschuss / BND Clusterfuck

Kanzleramtschef Peter Altmaier war als Zeuge im NSAUA. Das gab einigen Publikationen Anlass, sich nochmal zum aktuellen Stand in der Sache zu äußern, zum Beispiel Georg Mascolo und Kollegen in der SZ, Kai Biermann bei ZEIT Online und Markus Beckedahl bei Netzpolitik.org. Ich lese da viel Ärger, Zynismus und Resignation zwischen den Zeilen. Die ganze Nummer hätte auch in 2017 das Potenzial, das einzig bestimmende Thema aller Nachrichten, Kommentare und Kolumnen zu sein, wird aber kaum noch so wahrgenommen. Das dürfte auch Grund für die Frustration derjenigen sein, die sich seit Jahren damit auseinandersetzen, vermute ich.

Hier gibts das Live-Protokoll der Sitzung auf Netzpolitik.org.

NSU Zeugen

Ein bisschen untergangen ist, wie ich finde, dass mittlerweile der sechste Todesfall unter Zeugen in der NSU-Aufklärung zu beklagen ist. Einer der wenigen Artikel, die ich dazu gefunden habe, ist der hier, der sich seinerseits auf diese Pressemitteilung beruft. Tilo Jung hat in der Bundespressekonferenz dazu eine Frage gestellt, aber wie erwartet (und in dem Fall verständlicherweise) gabs dazu keine inhaltliche Antwort. Letztes Jahr gabs noch eine Reihe Artikel, da das zahlreiche Sterben ja schon nach dem fünften Todesfall sehr auffällig war. Hier einige davon:

Jetzt ist es natürlich schwierig, das irgendwie zu werten, weil man eben so gut wie nichts weiß. Aber wundern kann man sich schon.

Bundespräsident / Erster Eintrag

Erster Eintrag und direkt politisch. Frank-Walter Steinmeier ist heute zum neuen Bundespräsidenten gewählt worden, allen mir bekannten Meinungen nach, inklusive meiner eigenen, ohne große Überraschung. Tilo Jung hat das Prozedere in einer Mini-Doku festgehalten, die man sich ganz gut anschauen kann (wie im Übrigen auch seine Interviews mit allen außer dem jetzt gewählten Kandidaten). Etwas mehr Kritik an der Person Steinmeier hätte ich mir als Fan von Christopher Lauer von Christopher Lauer gewünscht, der sich vor der Wahl mit ein paar warmen Worten in seinem Podcast und danach damit begnügte, ein gemeinsames Foto von sich und Frank-Walter auf Twitter zu posten.

Ich bin mir sicher, wäre da jetzt nicht die Gemeinsamkeit, SPD-Mitglied zu sein, hätte Lauer schärfere Töne angeschlagen, natürlich insbesondere in Bezug auf die Steinmeier-Kurnaz-Kontroverse.